So prüfet Euer Weltbild!
Im Ernst: In den letzten Tagen hab ich mich wieder viel mit den großen Fragen des menschlichen Seins beschäftigt: Wer bin, wer will ich sein, wo wollte ich immer hin, wo will ich jetzt noch hin, wo stehe ich gerade.
Gestern hat mein Ex-Freund noch einige meiner letzten Überbleibsel in die Magisterklause gebracht und mir dabei erzählt, wie es so für ihn läuft: Studium läuft sehr gut, Doktorarbeit ist in beharrlich guter Aussicht, neue, bildhübsche und intelligente Freundin (ich kenn sie vom Sehen, es ist also wirklich so) - die überdies auch von der Katze gemocht wird (elende Verräterin!, auch wenn ich nur Gammatierchen der Herde war, hätte Sina doch wenigstens so tun können als wär ich ihr nicht so leicht zu ersetzen, oder..?) -, die so oft ersehnten gemeinsame Abende mit Freunden zum Kochen etc. in der Wohnung und im Sommer geht es zur Erfüllung eines Traums als Famulant nach Afrika.
Bäm. Danke, Schicksal, tritt doch noch mal nach. Ich gönne ihm das wirklich, so ist es echt nicht! Auch, wenn wir offenbar nicht so befreundet sein können, wie ich es vorher gedacht und gehofft hätte, soll er meinetwegen glücklich werden.
Es ist nur trotzdem merkwürdig. So aus dem gemeinsamen Leben bzw. der Erinnerung daran verdrängt werden. Irgendwie.
Zudem sitz ich hier alleine in der Magisterklause. Für mich gibt es nicht mal die Möglichkeiten zu Beziehungen/Affären/u.ä., wenn ich denn nur wollen würde (danke, der Spruch war dann übrigens echt unnötig...). Mit mir kuschelt nachts kein kleines, pelziges Wesen, das schnurrt und spielt und einfach wundervoll da ist. Ich komm mit der Magisterarbeit nicht weiter - eigentlich, wenn ich ehrlich bin, nicht mal in einen ernstzunehmenden Anfang - und habe die Hälfte der Zeit schon um (mich wieder krankschreiben lassen, will ich einfach nicht).
Ich weiß nicht, wo ich genau hin will, denn ich komme nicht mal in dem weiter, was gerade ansteht und habe das irritierende Gefühl, unfähig zu einem einzigen Schritt auf einem Laufband zu stehen. Das angeschaltet wurde. Und ich drifte davon.
Insofern "bäm". Insofern danke für dieses Nachtreten. Für diese Erinnerung daran, wie sehr sich mein Weltbild des letzten Jahres - egal, was ist, das Wir ist da, zusammen mit Sina eine Herde - ins Gegenteil verkehrt hat, wie aus der Zukunft gefallen ich zu sein scheine. Für das Aufzeigen des Kontrastes zwischen alles-ist-gut und meiner persönlichen Realität (der Kontrast Daniels Leben entwickelt sich großartig - womit ich immer fest gerechnet hatte, sollten wir uns mal trennen, das überrascht mich also nicht so - und mein Leben entwickelt sich nicht, egal wie ich mich anstrenge, macht es nicht besser). Ich will mich nicht mehr schlecht fühlen, eine immer dünnere Staumauer besitzen; ich will endlich, endlich "das Gute" erleben, fühlen, sein.
Ich weiß, daß klingt alles sehr jammerig gerade. Aber eigentlich fühl ich mich einfach nur noch verwirrt und mutlos. - Kennt noch jemand den Riesen aus "Jim Knopf", der immer kleiner wird, je näher er kommt? So fühlt sich das an!
Naja, tschakka und so. (Bitte erzählt mir nichts von Silberstreifen am Horizont und so was, das könnte einen empfindlichen Nerv treffen! ;-) )
Seh ich die Sachen einfach nur zu falsch? Brauch ich diesen 'Crash', um auf wundersame Weise einen Fundus von was-auch-immer-perfekt-wäre in mir aufzutreiben? Erwarte ich zu viel? Oder tue ich vielmehr zu wenig dafür?
Donnerstag, 29. Dezember 2011
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen