Freitag, 25. November 2011

Eliminiert.

Es ist mal wieder 2 Uhr morgens und mal wieder bin ich schlaflos.
Nein, eigentlich nicht schlaflos. Dann würde ich die Abwesenheit von Schlaf bemängeln. Aber ich erscheine mir selbst mehr wie ein Automat, der schlicht darauf wartet abgeschaltet zu werden.

Es ist halt einfach nicht mein Jahr. Die subjektive Ähnlichkeit zu aufgeriebenen Radiergummiresten wird immer augenfälliger. - Paradox eigentlich, schließlich sollte ich doch gerade im Moment immer besser wissen, wer und wie ich bin, meine Kontur immer schärfer und ich sicherer werden: Ich lebe alleine, ohne Rücksicht auf Kompromisse nehmen zu müssen, und schließe mein Studium ab. Der Kontakt zu meiner Familie ist wieder besser. Ich habe eigentlich keinen Grund mich zu beschweren, weil mir doch alles geschenkt wird.

Dabei ist das Gegenteil der Fall: Ich habe im Moment das Gefühl, immer weniger Fixpunkte zu haben.
Das Einzige, das sich im Kern je wirklich gewiss und sicher angefühlt hat, egal was für Probleme darin waren, war die Beziehung zu Daniel; die ist endgültig beendet und er löscht mich konsequent aus seinem Leben, selbst aus unserer gemeinsamen Vergangenheit. Ich werfe es ihm nicht vor, dazu habe ich wohl kein Recht; aber es verletzt mich sehr.
Die wunderbare, großartige Sina haßt mich, weil ich die Herde verlassen habe. Nicht, daß mir das was ausmachen sollte, schließlich werde ich sie ohnehin nicht mehr sehen können/dürfen.
Im Büro arbeite ich in die leere Luft, weil der Chef keine neuen Projekte hat und der Band, an dem Gudrun (die wiederum ihr bestes tut, mich spüren zu lassen, daß sie ihre Examensarbeit ja schon abgegeben hat) und ich seit Monaten unter Zeitdruck arbeiten, nun plötzlich doch Zeit hat und wir wichtige Schritte nicht abgesegnet bekommen, um weiterzuarbeiten.
Im Laden ist es egal, wie ich arbeite, es scheint falsch zu sein, so daß mich ein lieber Kollege schon auf die Zickereien der anderen Mädels anspricht und fragt, was los ist (entweder zeige ich nicht, was ich mache, dann heißt es, ich arbeite nicht; zeige ich, was ich mache, bin ich egozentrisch; versuche ich die Aufgaben mit den anderen zu teilen, nervt, daß ich die Aufgaben sehe, die man sonst so wunderbar bequem übersehen kann. Ich habe überdies keinen Zweifel, daß es morgen auch einen Einlauf von der Bereichsleitung geben wird.)
Für die Magisterarbeit bekomme ich keinen Fuß auf den Boden.
Weil ich gewiß bin, daß er enttäuscht wird, ziehe ich mich überfordert zurück, wenn mir jemand, an dem mir etwas liegt, augenscheinlich Freundschaft anbietet, oder ein wirklich wunderbarer Mensch mich sucht, obwohl ich diesen Kontakt doch eigentlich will.
Es ist ein guter Tag, wenn ich nicht merke, daß ich da bin, obwohl ich das Wesen "Ideal-Ich" gerne finden würde. Es ist schlimm bzw. beunruhigend, wenn ich selber die Anzeichen bemerke, daß es schlimm ist.

Es ist eben wie eliminiert werden. Als ob alles, was hätte gut, was ein Kieselstein der Persönlichkeit im Fluß des Seins sein können zerstört und ausgelöscht werden soll.

Mir gehen die Ideen aus, was ich machen kann: Ich gehe doch im Moment mehrmals in der Woche zur Therapie; ich erzähle den Leuten doch nicht, wie es mir geht, weil es sie - verständlicherweise - überfordert, wenn ich es tue, weil sie es hören wollten; ich halte Abstand, weil man Abstand will, und bekomme trotzdem mit, wie störend ich bin; ich versuche unter Beachtung aller Hinweise zu Energieressourcen und Notwendigkeiten meine Funktionalität herzustellen.
Ich kann einfach nicht mehr, gerade. Manchmal argwöhne ich, daß Pusteblumen mehr Stabilität besitzen.


Warum fällt mir das Leben so schwer, wo doch selbst Amöben damit keine Probleme
haben?

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